Kind schnarcht nachts laut – wenn nicht der Partner die Nacht stört

Schnarchen kennt man von Erwachsenen. Dass Kinder schnarchen können – und manchmal so laut, dass die ganze Wohnung es mitbekommt – überrascht viele Eltern. Zumal es bei Kindern andere Ursachen hat als bei Erwachsenen, und manchmal auch andere Konsequenzen.

Wer nachts das Schnarchen seines Kindes hört und sich fragt, ob das normal ist und was man tun soll, findet hier eine ehrliche Einschätzung.

Warum Kinder schnarchen

Bei Erwachsenen ist nachlassender Muskeltonus die häufigste Ursache. Bei Kindern liegt das Schnarchen in der Regel woanders: am lymphatischen Gewebe im Rachenbereich. Gemeint sind Gaumenmandeln und Rachenmandeln – die sogenannten Polypen. Dieses Gewebe ist bei Kindern im Verhältnis zur Atemwegsgröße oft deutlich ausgeprägter als bei Erwachsenen.

Wenn Gaumenmandeln oder Rachenmandeln vergrößert sind, verengen sie die Atemwege – besonders nachts, wenn der Körper entspannt ist und das Gewebe nach hinten sinkt. Das Schnarchen, das daraus entsteht, kann erstaunlich laut sein für ein kleines Kind.

Häufige Erkältungen, wiederkehrende Mittelohrentzündungen, Allergien und Heuschnupfen können das Gewebe weiter anschwellen lassen und das Schnarchen episodisch verstärken.

Wann ist es normal – und wann nicht?

Gelegentliches leichtes Schnarchen bei Kindern, vor allem bei Erkältungen oder in der Allergiesaison, ist meistens harmlos. Das Gewebe reagiert auf Reize, schwillt an, und das Schnarchen verschwindet wieder, wenn der Auslöser weg ist.

Regelmäßiges lautes Schnarchen, das nicht mit Erkältungen zusammenhängt, verdient mehr Aufmerksamkeit. Besonders wenn es von weiteren Zeichen begleitet wird: Das Kind schläft mit offenem Mund, schwitzt nachts stark, wacht häufig auf, wirkt tagsüber trotz ausreichend Schlafzeit unausgeruht oder hat Konzentrationsprobleme in der Schule.

Wenn das Kind im Schlaf außerdem kurz aufhört zu atmen – kurze Atemaussetzer, die dann mit einem tiefen Atemzug oder einem Aufschrecken enden – sollte das ärztlich abgeklärt werden. Das ist bei Kindern nicht automatisch ein Alarm, aber es ist ein Hinweis, der nicht ignoriert werden sollte.

Was Eltern tun können

Der erste Schritt bei regelmäßigem kindlichem Schnarchen ist ein Gespräch mit dem Kinderarzt. Dieser kann einschätzen, ob die Mandeln auffällig vergrößert sind, und gegebenenfalls eine Überweisung zum HNO-Arzt empfehlen.

Vergrößerte Rachenmandeln (Polypen) sind bei Kindern häufig und gut behandelbar – manchmal durch eine kleine Operation, manchmal durch abwarten, da das Gewebe oft von selbst zurückgeht, wenn die Kinder älter werden.

Zu Hause kann man die Schlafumgebung optimieren: ausreichende Luftfeuchtigkeit im Kinderzimmer, gute Belüftung, und eine leicht erhöhte Schlafposition wenn das Kind eine Erkältung hat. Bei bekannter Allergie lohnt es sich, allergenlösende Maßnahmen auch im Kinderzimmer konsequent umzusetzen – Milbenschutzbezüge, regelmäßiges Waschen des Bettzeugs bei hoher Temperatur, kein Plüsch im Schlafbereich.

Was das für die Eltern bedeutet

Ein schnarschendes Kind bedeutet: schlechter Schlaf für alle. Bei kleinen Kindern, die noch im Elternbett oder in unmittelbarer Nähe schlafen, trifft das die Eltern direkt. Bei Kindern in eigenen Zimmer ist es oft so, dass die Eltern durch die Wand hören – oder beim nächtlichen Kontrollieren wach werden und dann nicht mehr schlafen können.

Das ist eine andere Situation als das Schnarchen eines Partners, aber die Erschöpfung ist vergleichbar. Und die Lösung liegt hier weniger im eigenen Schlafschutz als im Angehen der Ursache – weil ein Kind mit vergrößerten Mandeln selbst unter dem Schnarchen leidet, auch wenn es das nicht artikulieren kann.

Wer generell verstehen möchte, was regelmäßige Schlafunterbrechungen langfristig mit dem Körper machen – ob bei Kindern oder Erwachsenen – findet im Artikel Was Schlafunterbrechungen durch Schnarchen langfristig mit dem Körper machen eine klare Einordnung.