Wer seine Partnerin vor der Schwangerschaft nie oder kaum schnarchen gehört hat, erlebt die erste Nacht mit echtem Schnarchen manchmal als kleinen Schock. Da liegt sie, schläft – und schnarcht. Das war vorher nicht so. Was ist passiert?
Schnarchen in der Schwangerschaft ist häufiger als viele denken. Studien gehen davon aus, dass zwischen 25 und 30 Prozent der Schwangeren zumindest zeitweise schnarchen – auch wenn sie es vorher nicht getan haben. Das ist kein Zufall, sondern hat mehrere körperliche Ursachen, die sich gut erklären lassen.
Was den Körper im Schlaf verändert
Während der Schwangerschaft verändert sich die Schleimhaut in den Atemwegen. Durch den erhöhten Östrogenspiegel schwellen die Schleimhäute in Nase und Rachen stärker an als üblich. Das Ergebnis ist eine Art dauerhaft leicht verstopfte Nase – auch ohne Erkältung. Wer durch die Nase schlechter Luft bekommt, atmet im Schlaf häufiger durch den Mund, und Mundatmung begünstigt Schnarchen erheblich.
Dazu kommt, dass das Gesamtblutvolumen im Körper während der Schwangerschaft deutlich zunimmt – bis zu 50 Prozent mehr. Das führt unter anderem zu einer stärkeren Durchblutung der Schleimhäute, was die Schwellung weiter verstärkt.
Gegen Ende der Schwangerschaft kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Das wachsende Gewicht, besonders im Bauchbereich, verändert die Atemmechanik. Der Zwerchfellhub ist eingeschränkt, und auch das Gewebe im Halsbereich hat zugenommen. Beides zusammen macht Schnarchen wahrscheinlicher.
Ab wann es beginnt und wann es aufhört
Das Schnarchen setzt in den meisten Fällen im zweiten Trimester ein und wird im dritten Trimester oft stärker. Nach der Geburt – wenn sich die Schleimhäute zurückbilden, das Blutvolumen sinkt und der Körper sich normalisiert – lässt es in der Regel deutlich nach oder verschwindet vollständig.
Das ist für den Partner, der danebenschläft, eine wichtige Information: Es handelt sich in der Regel um ein temporäres Phänomen. Das ändert nichts daran, dass die Nächte gerade schwierig sein können – aber es hilft, das Schnarchen im richtigen Kontext einzuordnen.
Was in dieser Phase helfen kann
Da die Ursachen des Schwangerschaftsschnarchens überwiegend schleimhautbedingt sind, sind Maßnahmen sinnvoll, die die Nasenatmung verbessern. Nasenstrips oder einfache Nasenspreizer können die Nasenlöcher leicht öffnen und den Atemfluss verbessern – beides ist in der Schwangerschaft unbedenklich und ohne Medikamente. Eine erhöhte Schlafposition, also das Kopfende des Bettes leicht anzuheben oder ein zusätzliches Kissen zu nutzen, kann ebenfalls helfen, die Atemwege freier zu halten.
Ein Raumluftbefeuchter kann besonders in der Heizperiode unterstützen, wenn die Schleimhäute durch trockene Luft zusätzlich gereizt werden.
Was in der Schwangerschaft weniger sinnvoll ist: Schnarchschienen oder andere mechanische Hilfsmittel, die auf den Unterkiefer einwirken – die sind für diese Situation schlicht nicht gedacht. Und Schlafmittel oder abschwellende Nasensprays sind ohne Rücksprache mit der Hebamme oder dem Arzt grundsätzlich tabu.
Für den Partner daneben
Die Nächte in der Schwangerschaft sind für viele Paare ohnehin herausfordernd – Schnarchen kommt dann oft zu Schlafunterbrechungen durch Bewegungen, häufiges Aufstehen, Rückenschmerzen der Partnerin und allgemeine Unruhe dazu. Ohrstöpsel oder weißes Rauschen können helfen, den eigenen Schlaf zumindest einigermaßen zu schützen.
Wichtig ist dabei das Bewusstsein, dass das Schnarchen nichts ist, das die Partnerin willentlich steuert – und dass es in einer ohnehin schon körperlich belastenden Phase noch eine zusätzliche Herausforderung für sie selbst sein kann. Das gemeinsame Angehen des Themas, ohne Druck oder Vorwürfe, hilft beiden Seiten.
Wer allgemein verstehen möchte, was gegen das Schnarchen einer Frau getan werden kann – jenseits der Schwangerschaft – findet im Artikel Wenn die Frau schnarcht einen ehrlichen Blick auf ein Thema, das gesellschaftlich noch immer zu wenig Raum bekommt.
